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Handball - Was nun Wittenberg?

WITTENBERG/MZ. Die Lage ist prekär. Nach bisher 16 Spielen verließen die Handballer des Mitteldeutschen-Oberligateams des SV Grün-Weiß Wittenberg das Parkett nur dreimal als Sieger. Zu einem Unentschieden reichte es bislang überhaupt nicht, dafür mussten die Schützlinge von Trainer Ingo Olbricht 13, teilweise sehr bittere Niederlagen verkraften. Mit 414:531 Toren und 6:26 Punkten ist man als 13. Tabellenvorletzter.

 

Anlässe zum Jubeln

Die Anlässe zum Jubeln sind selten geworden für die grün-weißen Oberligahandballer aus Wittenberg. (FOTOS: THOMAS TOMINSKI)

 

Wunschgedanke Klassenerhalt

 

Dazu kommt, dass in den jüngsten Partien das Team zwar versuchte, sich gut zu verkaufen. Doch Theorie und Praxis klaffen zunehmend auseinander. Mit den derzeitigen Leistungen plus großen Personalsorgen wird jede Begegnung zur Zitterpartie. Das Wort Klassenerhalt entwickelt sich immer mehr zum Wunschgedanken, der bis zum letzten Spieltag (12. Mai) fast nicht mehr realisierbar erscheint.

 

Keiner verhehlt, dass die Mannschaft in der Krise steckt. Doch steckt damit zugleich der grün-weiße Handball in der Krise? Hans-Dieter Wendt, Abteilungsleiter der Wittenberger, verneint dies konsequent. "Es wäre fatal, dies auf eine Ebene zu stellen." Seiner Ansicht nach wäre es natürlich blauäugig, die Probleme des Oberligateams zu ignorieren. "Anderseits ist die Mannschaft eine von zwölf, die wir haben. Und nur weil eine Probleme hat, haben wir nicht gleich eine Komplett-Krise."

 

Nun ist die Oberliga-Formation aber das Aushängeschild des Vereines. Und unterliegt damit einer besonderen Beobachtung. Wendt weiß dies ebenso ganz genau. "Ich leide doch selbst mit, wie alle anderen im Verein und auch die Fans. Keiner freut sich über die aktuelle Lage." Der Abteilungsleiter ist realistisch. "Die Euphorie des Aufstieges ist längst verflogen, die Realität hat uns eingeholt." Diese habe man sich zwar anders vorgestellt, "aber nun heißt es den Tatsachen ins Auge zu schauen". Man macht sich jetzt intensiv Gedanken, was die Zukunft betrifft.

 

Ingo Olbrich

Coach Ingo Olbrich soll schnellstmöglich Hilfe zur Seite gestellt werden. Der Verein möchte einen Co-Trainer plus Betreuerstab engagieren. (FOTO: ACHIM KUHN)

 

Abstieg kein Tabuthema

 

Hans-Dieter Wendt hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. "Fakt ist, dass der Klassenerhalt momentan nur noch theoretischen Charakter hat." Nicht nur die Tabellensituation spreche zunehmend gegen eine nächste Saison in der Mitteldeutschen Oberliga. "Vor allem die personelle Struktur ist problematisch. Schon bei geringen Ausfällen wird es eng."

 

Nach ersten Gesprächen im Abteilungsvorstand sollen in den kommenden Tagen und Wochen Sofortmaßnahmen greifen. Vor allem Trainer Ingo Olbrich - an dessen Status nicht gezweifelt wird - rückt dabei in den Mittelpunkt. "Zur Diskussion steht alles und jeder. An Ingo Olbrich halten wir fest, weil er gute Arbeit macht. Doch niemand ist so gut, dass es nicht noch besser ginge." Der Vorstand ist sich einig, dass der Coach nicht mehr allein die Verantwortung schultern soll. So rasch wie möglich will Grün-Weiß ihm einen Co-Trainer plus Betreuerstab an die Seite stellen.

 

In puncto Spieler hält sich der Verein derzeit zurück. Wendt erklärt: "Ob wir in vier oder fünf Monaten mit all denen, die derzeit aktiv sind, weiter machen, wird sich zeigen. Diese Dinge müssen in Ruhe bedacht werden." Auch sollen die Aktiven Gelegenheit bekommen, sich zu der Situation zu äußern. Das aktuelle Team werde auf jeden Fall die laufende Saison durchziehen. Ein vorzeitiges Aus steht nicht zur Debatte.

 

Gezielt Talente fördern

 

Dem Personalproblem will man indes möglichst rasch begegnen. Grün-Weiß möchte dabei nicht nur kurzfristig denken. Laut Wendt werde es keine Noteinkäufe geben, wenngleich man weiter nach neuen Spielern Ausschau hält. "Der Verein hat eine klare Prämisse. Wir wollen auch in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle im Handball des Landkreises spielen." Daher soll die personelle Strategie auf Stabilität ausgerichtet werden. Die nächsten Wochen werde man nutzen, um zu prüfen, wer aus dem Nachwuchsbereich Potential für das Männerteam besitzt. "Talente werden wir bewusster fördern".

 

Mit dieser Förderung möchte man zugleich attraktiv für Kinder und Jugendliche bleiben. "Jeder, der bei uns das Handballspielen beginnt, soll wissen, dass er sich mit Ehrgeiz und Fleiß nach vorn arbeiten kann", betont Wendt.

 

Sollte der Abstieg in die Sachsen-Anhalt-Liga kommen, werde dies nicht als Desaster betrachtet. Ziel werde es dann sein, mit ordentlichen Leistungen Fans und Sponsoren zu beweisen, dass der Handball bei Grün-Weiß eine Zukunft hat.

 

Quelle: MZ, Lokalsport Wittenberg, VON ANDREAS RICHTER, 14.02.12