Junges Talent bekommt Zeit für Reifeprozess

Der Neuntklässler Marcel Lange in Aktion. Er zählt bei der Abteilung Kraftsport des SV Hellas Oranienbaum zu den größten Talenten. (FOTO: ANDREAS BEHLING)
ORANIENBAUM/MZ. Mit Gewalt wird nichts übers Knie gebrochen. Das Talent soll Zeit bekommen, noch etwas zu reifen. "Wir wollen ganz vorsichtig an die Geschichte herangehen", sagt Peter Schröder, der sich beim Oranienbaumer SV Hellas 09 um die jungen Kraftsportler kümmert. Aktuellster Erfolg der kontinuierlichen Nachwuchsarbeit in der Abteilung: Der erste Rang von Marcel Lange beim Landesturnier im Bankdrücken.
Obgleich der Schüler der neunten Klasse der Ferropolis-Schule Gräfenhainichen aktuell selbst nur 60,8 Kilogramm auf die Waage bringt, bewältigte er bei seinem allerersten offiziellen Wettkampf gleich 62,5 Kilogramm. "Das muss man erst mal schaffen", zollt Schröder seinem Schützling ein ganz dickes Lob. Das umfasst zugleich die Nervenstärke, welche Marcel Lange, der in Kakau zu Hause ist, auf dem Podium unter Beweis stellte. "Man hat schon gesehen, dass er angesichts des Publikums unter Spannung stand. Dass alle seine drei Versuche aber von den Kampfrichtern jeweils einstimmig für gültig erklärt wurden, war akkurat", schätzt Schröder ein. Dabei habe sich Marcel, der seit dem 17. November 2010 der Abteilung angehört, über die Etappen 57,5 und 60 Kilogramm zum Abschlussergebnis vorgearbeitet. "Beim nächsten Wettkampf", prophezeit der Übungsleiter, "sind dann sicher 65 Kilo drin."
Der wird für den 14-Jährigen allerdings noch nicht bei den Deutschen Meisterschaften der Bankdrücker im oberpfälzischen Oberölsbach stattfinden. Ziel bleibt - wie gesagt - den Bogen nicht zu überspannen, sondern dosiert vorzugehen. "Es wäre verkehrt, im Training ausschließlich das Muskelwachstum voranzutreiben, während der Rest des Körpers nicht folgen kann", erklärt Schröder. Marcel soll demnach in aller Ruhe die Landesmeisterschaften der Jugend und Aktiven am 16. Juni in Klötze ins Auge fassen.
Ulrich Dämmig hält diese Vorgehensweise für durchaus angebracht. "Man sollte es nicht übertreiben", findet der Geschäftsführer des Verbands für Gewichtheben, Kraftsport und Fitness Sachsen-Anhalt. Verborgen geblieben ist dem Mann, der parallel auch als Landestrainer fungiert, das Abschneiden des talentierten Kraftsportlers aus Kakau selbstverständlich nicht. Dämmig war Augenzeuge des Auftritts, den er mit folgenden Worten kommentiert: "Mehr als das Körpergewicht zu bewältigen, ist eine ganz starke Leistung." Bleibt Marcel der Sportart treu, so der Funktionär, könne er sich im kommenden Jahr bei den B-Jugendlichen (14 bis 16 Jahre) auf alle Fälle auf nationaler Ebene Medaillenchancen ausrechnen. Allerdings sei es generell schwer, im Kraftsport eine breite Phalanx an Nachwuchsakteuren zu bilden. Zehn- oder Elfjährige dürfen laut Reglement eben noch nicht an den Start gehen. Deshalb würden sie sich in dem Alter längst anderen sportlichen Aktivitäten zuwenden.
Peter Schröder sieht das ähnlich, geht aber auch davon aus, dass das Abschneiden von Marcel Lange, der sich eine Lehre zum Mechatroniker vorstellen kann, die anderen Nachwuchsathleten anspornt, die regelmäßig die Trainingsangebote im Waldhaus nutzen. "Bei unserem internen Bankdrücken zum Weihnachtsfest waren allein 14 Jugendliche dabei, von denen schon einige Appetit bekommen haben, die Übungseinheiten zu intensivieren", berichtet der Oranienbaumer.
Quelle: Mitteldeutsche Zeitung, von Andreas Behling





