Schweigen ist Gold

Die MTV-Volleyballer, hier Mario Mollenhauer gegen Prenzlauer Berg im Angriff, belegten bei der Regionalpokal-Zwischenrunde im Jahr 2011 den zweiten Platz. (FOTO: ARCHIV/MZ)
WITTENBERG/MZ. Die Regionalliga-Volleyballer des MTV Wittenberg haben am Sonntag den Bock gleich zweimal umgestoßen. Den Schützlingen von Trainer Ulf Jonas ist es endlich gelungen, im dritten Satz keine zittrige Knie zu bekommen. "Wir haben 3:0 gewonnen", meint stolz der Coach, "und eine kleine Siegesserie gestartet. Denn zwei Erfolge in Serie gab es in dieser Saison noch nicht." Im Vorfeld des Spiels gegen Rotation Prenzlauer Berg hat Jonas tief in die psychologische Trickkiste gegriffen. "Ich habe einfach nicht über unsere Baustelle dritter Satz gesprochen", erklärt er sein Rezept. Trotz des sechsten Saisonsieges hält der MTV-Coach den Ball flach und stuft den Zweier gegen die Berliner in die Rubrik "einfache Angelegenheit" ein. Beim Gegner sei die Fehlerquote zu hoch gewesen, um Wittenberg ernsthaft in die Bredouille zu bringen. "Wir mussten nur unser Pensum abspulen." 
Mit den Regionalliga-Volleyballern des MTV Wittenberg, hier Kapitän Mario Mollenhauer beim Angriff, geht es derzeit bergab. Nach der sechsten Saisonniederlage ist das Team auf Platz acht angekommen. (FOTO: THOMAS KLITZSCH)
Vor dem Anpfiff stand das Barometer bei den Hausherren eher auf Niederschlag. Die beiden Mittelblocker, Arwed Eilitz und Tobias Seiffert, mussten verletzungsbedingt passen, Peter Hoffmann, der dem Team aufgrund einer Schulteroperation sechs Monate nicht zur Verfügung stand, sprang in die Bresche. "Er hat seine Sache gut gemacht", so sein Trainer, der über "die noch fehlende Geschwindigkeit" diskret hinwegsieht. In der Anfangsphase sind die Abstimmungsprobleme bei den Wittenbergern unübersehbar. Hoffmann und Raik Zischkale versuchen zwar, die Mitte dicht zu machen, doch insgesamt fehlt dem MTV der Rhythmus (5:9). Angefeuert von den etwa 100 Zuschauern in der Stadthalle fängt der Tabellenachte an, sich zu steigern (10:9). Die Berliner Angreifer bekommen Schwierigkeiten, den Ball ordentlich zu platzieren. Dieser landet meist im Aus oder wird zur sicheren Beute des Blocks. Nach der Aufschlagsserie von Hoffmann befindet sich der MTV endgültig auf der Siegerstraße und gewinnt den Satz 25:20.
Klare Angelegenheit
Diesen Schwung nehmen die Gastgeber mit in Durchgang zwei und hauen Prenzlauer Berg das Streitobjekt nach allen Regeln der Schmetterkunst um die Ohren. Über die Stationen 11:5 und 20:11 hinweg ist der zweite Satz schnell Geschichte. Selbst wenn Vergleiche zwischen zwei Sportarten hinken: 25:14 im Volleyball ist wie 4:0 im Fußball. "Die Fehlerquote bei Rotation war zu diesem Zeitpunkt extrem hoch", erklärt Jonas die Überlegenheit seines Teams.
Dann kam er: Satz Nummer drei. Der Schwachpunkt der MTV, zumindest in dieser Saison. Bei seiner Pausenansprache versucht Jonas, sein Team stark zu reden. Bloß keine alten Wunden aufreißen, lautet die Devise. "Ganz aus den Hinterköpfen habe ich es nicht bekommen", meint er und muss mit ansehen, wie Prenzlauer Berg 8:7 in Führung geht. In der folgenden Auszeit tritt der Coach noch einmal aufs Gaspedal und fordert seine Jungs zur Leistungssteigerung auf. Diese Worte kommen an. Feldabwehr und Angriff steigern sich. Beim Stand von 15:14 ist die Wende geschafft. In der Folgezeit fehlen dem Rotation-Sextett Dinge wie spielerische Klasse und unbedingter Siegeswille, um dem Match nochmals eine Richtungsänderung zu verpassen. Viele Aufgaben werden verschlagen. Aufwand und Nutzen passen nicht mehr zusammen. Nach 63 Minuten ist es vollbracht: Der MTV feiert seinen vierten Heimerfolg und bleibt in Sachen Saisonziel (Platz fünf) voll auf Kurs.
"Lieblingsgegner" wartet
Den nächsten Schritt können die Wittenberger am Sonnabend machen. Dann wartet der TKC Wriezen (2.) auf die Lutherstädter. Das Team aus dem Bundesland Brandenburg gehört nicht gerade zu den Lieblingsgegnern des MTV und hat das Hinspiel in der Stadthalle 3:2 gewonnen. "Es wird nicht einfach", meint Jonas, der aber davon ausgeht, dass seine Jungs nach zwei Siegen in Folge mit breiter Brust nach Wriezen fahren.
Quelle: Mitteldeutsche Zeitung, Thomas Tominski





